Artins Blindfacts – Die Braillezeile

Artins Blindfacts – Fakten und Geschichten aus der Blindenwelt

Die Braillezeile

Ein Gastbeitrag von Manuel Osswald

Heute möchte ich euch die Braillezeile vorstellen. Was sind Braillezeilen? Von wem werden sie finanziert? Wer trägt die Kosten und wo sind Braillezeilen eigentlich sinnvoll?

Was ist eine Braillezeile?

Eine Braillezeile ist ein elektronisches Gerät, welches den Bildschirminhalt von Geräten wie Computern, Smartphones oder Tablets in Blindenschrift ausgeben kann.
Blindenschrift, das ist z.b. oft auch auf Päckchen drauf, die man aus der Apotheke bekommt, wenn man sich z.b. ein Medikament kauft oder das verschrieben bekommen hat. Das ist Blindenschrift auf Papeir.
Allerdings ist es ja auch möglich, das Ganze an einem Computer zu nutzen und dafür braucht es dann eben ein elektronisches Gerät – und das ist eben die Braillezeile.
Bei den Medikamentenverpackungen z.b. kommt typischerweise die 6-Punktschrift zum Einsatz, bei der Braillezeile kommt die 8-Punkt-Blindenschrift zum Einsatz, wodurch z.b. mehr Zeichenkombinationen möglich sind.

Diese Schrift wird auch häufig als Computerbrailleschrift bezeichnet, während die 6-Punkt-Brailleschrift als Literaturbraille bezeichnet wird. Das macht auch Sinn, denn in Büchern ist es ja so, dass eigentlich immer die 6-Brailleschrift verwendet wird.
So gibt es beispielsweise in der 8-Computer Brailleschrift keine Nummernzeichen, die einer Ziffer vorangestellt werden oder Großschreibezeichen, die einem Großbuchstaben vorangestellt werden.

Wie groß ist so eine Braillezeile?

Braillezeilen können unterschiedlich groß sein. Die Größe richtet sich nach der Länge einer dargestellten Zeile in Form von Braille Modulen, also das, wo die Punkte rauskommen.
Und eine Braillezeile kann 12 – 24 – 40 oder 80 Module beinhalten und danach richtet sich eben auch die Länge.
Klassische Braillezeilen können 40 Zeichen pro Zeile darstellen. Daneben gibt es aber auch noch mobile Braillezeilen, die dann z.b. die besagten 12 oder 24 Zeichen darstellen können.

Diese sind vor allem dann durch die geringe Größe besser für unterwegs geeignet, denn je weniger Braille Module vorhanden sind, desto kürzer ist solch eine Zeile natürlich auch.

Für höhere Ansprüche gibt es dann eben die 80er Braillezeilen, die dann 80 Zeichen pro Zeile darstellen können.
Das sind so auch die größten Geräte, die man eigentlich so findet.
Die 80er Braillezeilen findet man dann z.b. am professionellen Arbeitsplatz, wenn es z.b. um Bücher geht, oder im Übertragungsservice, die z.b. Texte für Blinde zugänglich machen.

Wo kommt eine Braillezeile zum Einsatz?

Eine Braillezeile wird dazu verwendet, Inhalte von Geräten wie Computer, Smartphones oder Tablets für Blinde genau tastbar zu machen.
Die Braillezeile wird dadurch mit Hilfe eines speziellen Programms, dem sogenannten Screenreader angesteuert.
Wie der Name bereits sagt, kümmert sich der Screenreader eigentlich um das Vorlesen der Bildschirminhalte. Jedoch ist auch für die Kommunikation zwischen der Braillezeile und dem anderen Endgerät, also z.b. dem Computer und der Braillezeile zuständig.

Wenn es jetzt aber den Screenreader gibt und man das ganze auch per Sprachausgabe bedienen kann, wofür ist dann so eine Braillezeile eigentlich sinnvoll?

Wofür braucht man denn so eine Braillezeile?

Sie ist beispielsweise dafür erforderlich, getippten Text schneller erfassen zu können. So wird etwa die Rechtschreibkorrektur deutlich vereinfacht.
Auch das Lesen von Texten in Büchern oder im Internet ist damit ohne das ständige Gelaber der Sprachausgabe möglich. Hinzu kommt, dass man so auch in Umgebungen mit anderen Menschen arbeiten kann, ohne sie mit der Sprachausgabe zu nerven.
Die Braillezile wird entweder per USB oder per Bluetooth mit dem Endgerät verbunden.
Smartphones und Tablets bieten sich natürlich eher für die Verbindung per Bluetooth an. Aufgrunddessen verfügen die gängigsten Zeilen heute auch über einen integrierten Akku.

Die meisten Braillezeilen besitzen außerdem eine Braille Tastatur, über die in Blindenschrift Text eingegeben werden kann.

Dieser Text wird dann anschließend mit Hilfe des Screenreaders in normal lesbarer Schrift auf dem Bildschirm umgewandelt – wird aber natürlich gleichzeitig auch als Blindenschrift auf dem Braille Display ausgegeben.

Daneben existieren zur Steuerung weitere Bedienelemente, beispielsweise die Cursor Routing Tasten. Diese sind sehr praktisch für Blinde, weil man mit diesen direkt zu einem Zeichen in einer Zeile springen kann.

Darüber hinaus gibt es z.b. auch noch Navigationstasten, mit denen man die Zeile ohne das Betätigen der Pfeiltasten am Computer wechseln kann. Das ist sehr sinnvoll, wenn ich jetzt einen durchgängigen Fließtext lese. Dann möchte ich ja nicht ständig meine Hand wegnehmen vom Braille Display, sondern möchte einfach
im Lesefluss bleiben.

Wer zahlt eine Braillezeile und was kostet so ein Gerät?

Zu beachten ist, dass nur wenige Stückzahlen produziert werden und es sich somit um keine Serien- oder Massenproduktion handelt.
Ich beispielsweise verwende die Focus 40 Blue, also eine, die 40 Zeichen pro Zeile darstellen kann.
Diese kostet ungefähr 4000 €.
Das ist tatsächlich sehr teuer, die Preise variieren natürlich je nach Anzahl der drei Module.
So kostet eine mobile 12er Zeile, also mit 12 Braille Modulen, etwa 1500 Euro, während eine 80er Braillezeile
bis zu 10000 € verschlingen kann.
In Deutschland werden die Kosten glücklicherweise in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Dafür ist allerdings ein Attest des Augenarztes notwendig, damit solch ein Antrag akzeptiert wird.
Eine Braillezeile bezieht man darüber hinaus zumeist über einen Hilfsmittelhändler. Das heißt, man geht nicht z.b. auf Amazon und bestellt die sich und sagt dann zu seinem Augenarzt, ich habe mir eine Braillezeile bestellt, ich brauche mal bitte ein Attest, dass das übernommen wird. Man holt sich zuerst das Attest und dann wickelt der Hilfsmittelhändler das ganze entsprechend ab und man erhält bei Annahme des Antrags dann hoffentlich bald seine eigene Braillezeile.

Das soll es an dieser Stelle auch gewesen sein. Ich hoffe es hat euch gefallen.
Bis zur nächsten Ausgabe!

Schreiben Sie einen Kommentar