Artins Blindfacts – Jörgen, der schwedische Tontechniker

Jörgen, der schwedische Tontechniker

Wie lebt es sich in Schweden mit einer Sehbehinderung oder gar einer Blindheit?
Ich durfte mit Jörgen sprechen, der auch blind ist, die Ausbildung zum Tontechniker gelernt hat und in Schweden lebt.

Jörgen, schön dich kennen zu lernen!
Bist du blind seit Geburt an?

Jörgen: Ja, ich bin blind, seitdem ich auf der Welt bin.
Ich habe in meinem rechten Auge eine Augenprothese und bei mir wurde zudem die Augenkrankheit Glaukoma festgestellt.
Ich kann nur hell und dunkel sehen und Farben erkennen. Meine Lieblingsfarbe ist rot.
Aber in den letzten Jahren hat sich meine Sehkraft noch weiter verschlechtert, sodass ich nun noch kaum was sehe.

Artin: Auf was für einer Schule warst du?

Jörgen: Ich war von der 1. bis zur 9. Klasse auf einer normalen Regelschule und danach entschied ich mich, auf eine Blindenschule zu gehen.
Dort lernte ich auch Menschen kennen, die zum Beispiel taubblind waren oder im Rollstuhl saßen.
Ich fand das gut, denn es gab kein Mobbing oder Gruppenzwang.

Artin: Mit welchen Problemen musstest du dich in der Schulzeit konfrontieren?

Jörgen: Nun, es gab in der Regelschule leider schon Probleme, weil ich oft gehänselt wurde.
Einige Schüler machten viel Blödsinn, aber ich war nicht der Typ, der sich dem anschloss, sondern war eher derjenige, der viel lernen und dazulernen wollte.
In der Blindenschule gab es soweit keine Probleme, auch die Lehrer waren gut. Mein Lieblingslehrer war mein Computerlehrer, der mir auch beibrachte, meinen eigenen Lautsprecher zusammen zu basteln.

Artin: Was hast du nach dem Schulabschluss gemacht?

Jörgen: Ich ging auf eine Art College, das verschiedene Kurse anbot, wie zum Beispiel Musik- Medien- oder Kunstkurse. Ich entschied mich, den Musikkurs zu besuchen, denn ich wollte Tontechniker werden. Ich begann mich eigentlich dafür zu interessieren, als ich klein war.
Nachdem ich meine Ausbildung beendete, durfte ich bei einem Radiosender praktizieren.
Ich lernte bei Radio Göteborg.

Artin: Welche Möglichkeiten hat der Staat für euch allgemein?

Jörgen: Es hängt davon ab, was man machen will. Es gibt einige Stellen, die nicht so freundlich gegenüber uns Menschen mit Behinderung sind.
Die Leute denken, nur weil wir blind sind oder eine andere Behinderng haben, können wir nichts machen, und das ist nicht fair. Ich würde sagen, jeder ist einzigartig.

Artin: Du warst auch schon bei uns in Deutschland. Erzähl, wie hat es dir gefallen?

Jörgen: Ich war dreimal in Deutschland, das erste mal im Jahr 2002. Das lief durch unsere Organisation namens FUB, die Menschen mit Behinderungen vertritt.
Und wir traten sogar im Theater bei euch auf.

Jörgen, vielen Dank für das spannende und offene Gespräch!

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