Franzi Sgoff – die blinde Autorin

Für dieses Interview war Artin ausnahmsweise nicht im Studio in Nürnberg, sondern in München. Dort war eine Sitzung von vielen blinden und sehbehinderten Menschen. Artin traf eine alte Bekannte und unterhielt sich mit ihr. Sie heißt Franzi Sgoff und hat ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, trotz ihrer Blindheit verwirklicht. Hier könnt ihr das Interview jetzt in voller Länge lesen.

Artin: Herzlich willkommen Franzi Sgoff!

Franzi: Hi Artin! Danke, dass ich heute hier sein darf.

Artin: Das freut mich auch sehr. Jetzt muss ich erst mal fragen: Du bist Autorin, du hast dein allererstes Buch rausgebracht, das nennt sich “Wozu braucht man Jungs?”. Wie bist du zum Schreiben gekommen? Gibt es etwas, das dich inspiriert hat?

Franzi: Geschrieben habe ich eigentlich schon immer, seit ich schreiben konnte. In der Grundschule habe ich mit Freundinnen versucht, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben (die liegt jetzt verstaubt in der Schublade). Dann habe ich Fan-Fiction von “Die Kinder aus Bullerbü” geschrieben. Mit 12 habe ich angefangen, an “Wozu braucht man Jungs” zu schreiben, weil ich damals der Meinung war, Jungs sind anstrengend, deswegen habe ich mir diesen Titel ausgesucht.

Artin: Ich kenne das Buch. Es hatte damals den selben Titel wie heute, und jetzt ist das Buch raus. Seit dem 01.08.2019 kann man es überall kaufen. Das ist Wahnsinn, ich bin auch sehr begeistert. Beschreib doch mal kurz: Worum geht’s denn in diesem Buch? (Ohne jetzt zu viel zu verraten)

Franzi: Es geht um Jugendliche, die ihre Pubertät in Freising erleben. Es geht hauptsächlich um Sabrina, die auch ein ziemliches Dilemma mit einem Jungen hatte, ihr erstes Date ist nicht ganz glimpflich gelaufen. Sie lernt im Laufe der Geschichte ein Mädchen kennen, das blind ist und auf einer Schule für Blinde und Sehbehinderte ist, sich dort aber nicht wohl fühlt, weil sie von ihren Mitschülern gemobbt wird. Daraufhin versuchen Sabrina und ihre Freundinnen, das blinde Mädchen auf ihre Schule zu holen und stoßen dabei auf Vorurteile, versuchen sich aber nicht davon abbringen zu lassen.

Artin: Klingt sehr spannend. Ich glaube auch, das ist gerade ein ganz aktuelles Thema oder ein Thema, was einen immer beschäftigt als blinde oder sehbehinderte Person. Du kommst auch aus Freising. Gibt es schon Feedback in dieser kurzen Zeitspanne, seit das Buch erschienen ist?

Franzi: Ja, tatsächlich. Einer meiner besten Freundinnen hat das Buch schon an einem Tag durchgelesen. Ich habe es ihr einen Tag vorher gegeben und dann schrieb sie mir: “Ich habe das Buch fertig gelesen, es ist sehr gut geworden.” Und das hat mich sehr gefreut. Eine bekannte, die ich auch erst vor kurzem kennen gelernt habe, hat mir gesagt, dass sie das Buch auch lesen wird, obwohl sie eigentlich nicht so eine Leseratte ist. Das freut mich schon, dass ich Leute zum Lesen animieren kann, die eigentlich nicht so viel lesen. Eine andere Freundin von mir hat auch gemeint, dass sie durch dieses Buch quasi mal wieder ein richtiges Buch liest und nicht nur Hörbücher hört. Das fand ich auch sehr schön, dass sie es gelesen hat, weil ich das geschrieben habe. Das war schon toll, das so zu hören. Für mich war es so, dass es irgendwie nichts Besonderes ist, ein Buch rauszubringen. Es war das, was ich schon immer machen wollte und was schon immer mein Traum war. Jetzt ist dieser Traum Wirklichkeit geworden und ich kann das immer noch nicht so ganz glauben.

Artin: Ich kann es ehrlich gesagt auch nicht so ganz glauben, weil wir uns schon so lange kennen. Du hast mir damals erzählt, dass du gerne Schriftstellerin werden willst, jetzt bist du tatsächlich auf dem richtigen Weg.

Franzi: Ja, absolut. Und ich habe auch ganz viele Leute um mich rum, die das möglich machen.

Artin: Schreibst du aus der Sicht einer sehenden oder einer blinden Frau?

Franzi: Ich schreibe aus der Sicht einer Sehenden, aber es gibt auch Passagen, die aus der Sicht der blinden Protagonistinnen sind. Es gibt einfach Situationen, die kann sie nur selbst beschreiben, weil sie nur selbst diese Situationen erlebt beziehungsweise wäre es falsch, wenn die Situationen von der sehenden Person beschrieben werden, die sie gar nicht betreffen.

Artin: So ein Buch zu veröffentlichen, das kann man ja nicht einfach so machen. Wenn man das Buch fertig hat, muss man normalerweise erst mal einen Verlag finden, der das Buch auch annimmt. Du hast aber einen Verlag gefunden. War das ein harter Weg für dich?

Franzi: Eigentlich nicht. Es war tatsächlich so, dass ich erst mal geguckt habe, welche Verlage infrage kommen würden. Und der Schwarzbuch Verlag, mit dem ich das Buch dann auch veröffentlicht habe, der hat eigentlich keine Jugendbücher veröffentlicht, zu dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Verlagsseite geschaut habe. Als ich dann später geguckt habe, hat er doch ein Fantasy Zeitreise-Buch angeboten, dann dachte ich mir: “Eigentlich kannst du ihn mal fragen”. Ich hatte den Verleger auch bei Facebook, und er kommt auch aus Freising, und dann dachte ich mir, so ein kleiner Verlag wäre auch cool, weil man bei großen Publikumsverlagen riesiges Glück haben muss. Dann habe ich es versucht, meine Sätze, die ich an ihn geschrieben habe, waren sehr lang und ausführlich. Seine Reaktion war nur: “Schick mal rüber!” Für mich war das dann so: “Oh mein Gott, ich weiß ja gar nicht was”, dann habe ich mir überlegt, ich könnte auch mal mit ihm telefonieren, und habe dann auch mit ihm telefoniert. Das Gespräch war sehr gut, ich habe ihm auch von dem Buch erzählt, und ich habe ihm dann einen Monat später die Leseprobe geschickt, die auch schon von meiner Lektorin lektoriert wurde. Die Lektorin kenne ich durch meinen Freund, der ist mit ihr befreundet und hat den Kontakt hergestellt. Es ist ein sehr unkonventioneller Weg, normalerweise dauert das Monate, wenn nicht sogar Jahre, bis man einen Verlag findet. Ich hatte wirklich Glück.

Artin: Es klingt nach viel Glück, es ist aber auch normal, dass man durch Beziehungen in eine Sache reinkommt, egal, in welchem Bereich. Du hast ursprünglich Fremdsprachenkorrespondentin gelernt. Wie kam es dazu, dass du dich trotzdem für den Weg der Autorin entschieden hast?

Franzi: Weil das eigentlich immer mein Traum war und ich immer gesagt habe, wenn ich keinen Job finde, werde ich Schriftstellerin, dann mache ich meinen Traum. Ich habe mir dann gedacht, jetzt oder nie sozusagen, in diesem Fall war es auch schwierig, mit dieser Ausbildung einen Job zu finden. Und dann dachte ich mir na ja, ich habe jetzt Zeit. Jetzt könnte ich die Buchveröffentlichung vorantreiben. Dann habe ich also die Zeit genutzt, um weiter an dem Buch zu arbeiten und die Veröffentlichung voranzutreiben.

Artin: Folgen dann noch weitere Bücher in Zukunft?

Franzi: Ich habe vor, weitere Bücher zu schreiben. Ob die dann im gleichen Verlag veröffentlicht werden, weiß ich nicht, ob er einen zweiten Band möchte, weiß ich nicht. Aber ich habe auf jeden Fall noch genügend Ideen für Sabrina und ihre Freunde. Eigentlich sind da auch keine Grenzen gesetzt, und notfalls mache ich das dann im Self Publishing. Das kostet dann natürlich auch um einiges mehr, aber was tut man nicht alles für den Traum.

Artin: Kannst du jetzt schon von dem Buch, das du veröffentlicht hast, finanziell leben?

Franzi: Nein. Es wurden jetzt erst mal 161 Bücher gedruckt, und davon sind gerade mal 60 oder so verkauft. Aber ich mache dann jetzt auch ein paar Lesungen, die Lesungstermine findet man auch bei mir auf der Facebook-Seite, Franziska Sgoff – Autorin. Da veröffentliche ich die auch, ich habe auch eine Webseite: www.franziskasgoff.de und da findet man auch alle Termine.

Artin: Klingt super. Ihr wisst jetzt, was ihr zu tun habt. Fleißig das Buch kaufen, “wozu braucht man Jungs” von Franziska Sgoff, Lesungstermine findet ihr auf ihrer Webseite. Jetzt mal noch eine Frage, die nichts mit deiner Autorenkarriere zu tun hat. Was machst du, wenn du dich mal nicht mit Büchern beschäftigst?

Franzi: Ich interessiere mich sehr für digitale Barrierefreiheit, weil ich auch in dem Bereich freiberuflich arbeite. Ich gehe gerne auf Workshops, bin sehr viel unterwegs und sehr interessiert und neugierig. Ich finde eigentlich immer irgendwas. Und Social Media macht mir auch sehr viel Spaß.

Artin: Super. Das klingt nach sehr viel Engagement. So muss es sein. Franzi, vielen Dank für deine Zeit. Es war sehr cool, hier mit dir zu sitzen und dieses Interview zu führen. Ich wünsche dir natürlich weiterhin alles Gute auf deinem Autorenkarrierenweg. Vielen Dank für deine Zeit.

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